Du kannst nicht immer Ersti sein!

Veröffentlicht auf von Fabian

So oder so ähnlich hat Chris Roberts vor 36 Jahren gesungen.

 

Aber juchu, ich bin wieder ein Ersti! Seit Montag läuft in Cardiff die Einführungswoche und ich habe mich schon lange (nämlich genau sieben Semester) nicht mehr so erstsemesterig gefühlt wie hier. Wobei das ja eigentlich falsch ist, denn die Erasmus-Studenten werden hier am University of Wales Institute Cardiff, kurz UWIC, ins zweite von drei Jahren eingegliedert. Ich bin hier also ein „Dritti“. Übrigens: Freshman, Sophomore und so weiter sagt hier kein Mensch. Das machen nur die Amerikaner. Ich bin im UK-Jargon ein „second year student“.

 

Kurz zum Verständnis: In Cardiff gibt es drei Universitäten:

  • University of Cardiff (kurz: Uni, 31.000 Studenten, über 500 Erasmusstudenten)
  • University of Wales Institute Cardiff (kurz: UWIC, 12.000)
  • Außenstelle der University of Glamorgan (in Cardiff wohl ca. 5000)

Jede Uni hat hier mehr als einen Campus, auf meinem (auf dem Foto) befinden sich die School of Education und die berühmte School of Sports, zusammen etwa 3000-4000 Studenten. Innerhalb der School of Education gibt es wiederum CIMG0564_600_450.jpgverschiedene Studiengänge, meiner heißt Modern History and Politics. Es gibt auch noch Englisch, Soziologie, Creative Writing und Pädagogik. So. Im Moment sind wir innerhalb der School of Education 16 Erasmus-Leute. Geografische Vielfalt ist allerdings ein eher dünnes Pflänzchen: Dreimal Estland, einmal Belgien, einmal Bulgarien, einmal Italien, zehnmal Deutschland. Eine Belgierin soll noch kommen, dann wären wir 17, darunter aber nur zwei Jungs. Ich bin also ein bisschen der „cock in the basket“. Lehramtsstudiengang eben. Ist meistens ziemlich anstrengend und daher sind Florian, der andere Geschlechtsgenosse, und ich dazu verdammt, die maskuline Fahne ganz hoch in den walisischen Wind zu halten.

 

Die Einführungswoche habe ich gerade eben beendet, war ganz interessant. Am Montag gab es ein riesengroßes Erstsemestereröffnungsprogramm, einen Empfang aller neuen Studenten (round about 2500, siehe links) und eine Promo-Messe, auf der man Ersti-uwic-new-studentsZeug abgreifen konnte. Ein halbnackter Schwimmer wollte mich fürs Wasserballteam anwerben und die Rugbyjungs meinten auch, ich solle mal vorbeischauen. An Hockey, Lacrosse und Basketball bin ich dann mit erhobener Nase vorbeigegangen - Ich mach nur Männersport! Ein weiteres Highlight diese (Uni)Woche war definitiv der erste Gang in die Mensa, die mit Sicherheit ein guter Freund von mir werden wird. Die £ 2,99 für ein Rumpsteak (Medium) mit Kartoffeln und dreierlei Gemüse (findet man selten in UK, so viel gesundes auf einem Teller) waren jedenfalls bestens investiert! Am Tag darauf hat uns die Campus-Nurse (= Krankenschwester) leider nicht über Gesundheitsrisiken beim Genuss von Beef aufgeklärt, dafür aber erzählt, was man tun muss, wenn man krank ist. Lösung: Zum Arzt gehen. Jawoll ja!

 

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Einen Pubcrawl hatten wir auch schon, allerdings so schlecht organisiert, das hätte der FSR Publizistik selbst ohne Ortskenntnisse in Cardiff besser hinbekommen. Ich hab das dann gleich mal in die Hand genommen :). Den Donnerstag hatten wir frei, mussten aber in Gruppen eine Rallye durch Cardiff unternehmen (Bilder gibts hier), dabei fünf Statuen, vier Parks und zwölf Gebäude abklappern und zum Beweis fotografieren. Der Spaß hat fast sechs Stunden gedauert und das bei ständig wechselndem Wetter. Außerdem gehörte zur Tour der Genuss von vier typisch britischen bzw. walisischen Gaumenfreuden und zwei verschiedenen Bieren. Die Details erspare ich mir, aber es war eine nicht allzu erfreuliche Begegnung meinerseits mit der britischen Küche (und nicht die erste). Nur so viel: NIEMALS Fish & Chips und Cornish Pasty am selben Tag essen! Am besten letzteres niemals essen. Nicht mal danach googeln! Da ich natürlich mal wieder der einzige männliche Erasmusler war, fielen die ganzen unangenehmen Aufgaben mir zu. Die positiven (kostenloses Biertesten im Luxuspub) allerdings auch. Die neugewonnenen Kenntnisse werde ich auch zugleich anwenden und habe auch bereits Erfahrungen bei der gestrigen ersten offiziellen Erasmusparty gesammelt: Finger weg von britischem Bier. Und auch von Lager, Ale und Cider. Das Sixpack Becks (0,275l-Flaschen) kostet übrigens genau £ 4. Wer schönes trinken will, muss eben leiden.

 

Und vorhin habe ich schließlich meinen Stundenplan bekommen. Liest sich ganz gut, wenn auch fast schon arbeitsintensiver als in Mainz. Vier Kurse à zwei Stunden, dann noch der Erasmus-Kurs und etwas, das sich "Student Volunteering"  nennt. Freitags um zehn. Schau mer mal. Es gibt nur einen Tag, an dem ich nachmittags an der Uni sein muss, aber allzu früh raus muss ich trotzdem nicht: Uni-Tage gehen hier ganz gechillt von 9 bis 18 Uhr. Läuft. Das mit zu Fuß an die Uni gehen muss ich aber nochmal überdenken, ist schon verdammt anstrengend. Läuft nicht.

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Veröffentlicht in Wales

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