Got a little captain in you?
Newport, ich komm aus diiir. Newport, ich steh zu diiir. So hätte Herbert Grönemeyer wahrscheinlich gesungen, wenn er nicht im Ruhrpott, sondern in Wales geboren wäre. Und das Album hätte dann nicht 4630 Bochum sondern NP24 Newport geheißen. Denn Newport steht, was den Ruf in der Bevölkerung, die Schönheit der Stadt und die ehemalige Bedeutung angeht, in etwa auf einer Ebene mit Bochum. Zwar war ich persönlich noch nie in Bochum und den angrenzenden Kommunen, trotzdem stelle ich mir das Ambiente dort so ähnlich vor wie in Newport. Kohle, äh, Asche auf mein Haupt.
Ahja, Newport. Einst der größte Exporthafen für Kohle in ganz Großbritannien und florierender Umschlagplatz für Güter vieler Herren Länder, heute eine triste 115.000 Einwohner Stadt mit nur wenigen Highlights. Viele Herren Länder sind jedoch immer noch vertreten. Aber immerhin handelt es sich um die drittgrößte walisische Metropole und das selbsternannte „Heart of the industrial revolution“. Warum ich dennoch dahin gefahren bin? Nun, Newport liegt nur wenige Meilen östlich von Cardiff und ist dieses Wochenende Gastgeber eines der wichtigsten Golfturniere der Welt, des Ryder Cups. Und ich dachte, wenn in Newport mal irgendwann etwas los ist, dann an diesem einen Wochenende. Zum Ryder Cup gibt es Anfang kommender Woche einen eigenen Artikel, aber zuerst mal von vorne. Will man hier etwas Schönes oder Beeindruckendes sehen, muss man einige wenige Meilen aus dem Stadtzentrum herausfinden. In Caerleon, einer ehemaligen Römergarnison, gibt’s Museen, Bäder und Amphitheater zu bewundern. Großartig, wie mir das Museum verraten hat: Nach Caerleon kamen die Römer aus drei kontinentaleuropäischen Städten: Neuss, Straßburg und.. Mainz! Jeah!
Noch toller ist allerdings das Tredegar House, siehe oben. Über 500 Jahre lang war es der Sitz der Familie Morgan, eine der einflussreichsten und bedeutendsten Dynastien der britischen Geschichte. Darunter Lord Godfrey Morgan, der Mitte der 19. Jahrhunderts an der Spitze der britischen Armee im Krimkrieg gekämpft hat und beinahe gefallen wäre, hätte ihn nicht sein treues Pferd Sir Briggs aus der Schlacht getragen und gerettet. Dem ritterlichen Ross zu Ehren steht vor dem Haus eine Pferdestatue. In anderen Kreisen dürfte ein gewisser Sir Henry Morgan recht bekannt sein, der als Marineoffizier im Auftrag seiner königlichen Flagge in der Karibik gegen die Spanier gekämpft hat und schließlich auf Jamaika gestorben ist. Übrigens vermutlich an Syphilis. Noch heute lebt er allerdings in vielen Gläsern dieser Erde weiter, denn nach ihm wurde der Rum Captain Morgan benannt. Ein guter Mann.
Eines noch: Leider muss ich an dieser Stelle auf ein Foto aus dem Netz (www.hha.org.uk) zurückgreifen, weil wegen des bereits erwähnten Ryder Cups das Gelände nicht zugänglich war. Doof. Und dabei wollte ich doch unbedingt das Tor zum Park fotografieren, hatte ich doch vorher in einem Reiseführer gelesen: "Schön ist das eiserne Tor". Na, schönen Dank!