Mind the Gap between Cardiff and London
Vorneweg: Ich habe mir außerordentlich lange Gedanken um den Titel des Eintrags gemacht und bin froh, dass es dann doch nicht "London calling" geworden ist. Nur, dass das auch anständig honoriert wird! :-)
Jetzt aber richtig los: Das Auslandssemester in Großbritannien ist natürlich nicht komplett ohne einen Besuch in der Hauptstadt London. Genau das hat sich die 185 City Road-WG auch gedacht und ist mal eben schnell spontan nach London gedüst. Drei volle Tage, zwei Übernachtungen und dreieinhalb Stunden Busfahrt haben wir dafür geopfert und natürlich, wie sollte es auch anders sein, es hat sich gelohnt!
Weil ja eh schon fast jeder mal in London gewesen ist, so auch ich, spare ich mir jetzt einfach das ganze Touri-Gedöns. Das ist der Vorteil, wenn man London schon einmal gesehen hat: man kann sich die Zeit nehmen für Dinge, die man beim Erstbesuch zeitlich nicht unterzubringen vermag. Da wir aber ungefähr zwei Drittel unseres Aufenthalts im Stadtteil (oder sollte man sagen: in der Stadt?) Westminster verbracht haben, kommt man unwillkürlich auch an allen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten vorbei. Richtig toll ist London aber bei Nacht, deshalb kostet die Rundfahrt "London by Night" auch 26 Pfund. Pff! Das geht auch zu Fuß! Allerdings hat auch über Nacht der Winter auf der Insel Einzug gehalten - während es Mitte letzter Woche noch bis zu 10 Grad in Cardiff waren, pendeln die Temperaturen aktuell um den Gefierpunkt. Erste Investition in London waren daher Handschuhe bei H&M. Aber zurück zu London bei Nacht. Sehr interressant ist zum Beispiel das Regierungsviertel; vor dem House of Commons und in direkter Nachbarschaft zu Big Ben und Westminster Abbey campen etwa 30 Verwegene Tag und Nacht, Frühling ein und Winter aus, um gegen verschiedenste Dinge zu protestieren (sieht man hier). So hab ich mich mit dem etwa 50-jährigen Leo unterhalten, der von seiner Exfrau betrogen wurde, in den jahrlangen Sorgerechtsprozessen nicht nur seine Kinder sondern auch Haus, Job und Geld verloren hat und nun seit siebeneinhalb Jahren (!) gegenüber von David Cameron & Co campiert, um gegen das in seinen Augen ungerechte Justizsystem zu protestieren. In feinstem Oxford-Englisch hat er mir seine Lebensgeschichte erzählt, allerdings auch leicht nach billigem Alkohol gerochen. Wahrscheinlich hat er die Straßenseite gegenüber genauso gesehen, wie meine Kamera sie fotografiert hat.
Am zweiten Tag stand nach ausgiebigem durch-London-spazieren das Highlight unseres Besuches an: The Phantom of the Opera in "Her Majesty's Theatre" im Westend, dem Theaterland ganz in der Nähe vom Piccadilly Circus. Das Original von Andrew Lloyd Webber läuft hier seit dem 09. Oktober 1986 und ist damit auf den Tag genau ein Jahr älter als ich - unglaublich! Das Musical war super, die Darsteller und die Musik fantastisch und, ach, überhaupt. Ein tolles Erlebnis!
Übrigens: Obwohl es schweinekalt war, hat es in den drei Tagen nicht eine Minute geregnet oder geschneit, und das in der gefühlten Welthauptstadt des Niederschlags! Einen kompletten Tag lang hatten wir sogar Sonne, so dass es nicht so ganz ungemütlich frostig war. Den Fotos hat das natürlich sehr gut getan, eine Auswahl steht wieder im Album bereit.
Im Prinzip muss man sagen haben wir in rund 60 Stunden London alles gemacht, was man machen kann und muss. Sightseeing im Zentrum, spazieren an der Themse, shoppen in der Oxford Street und den Camden Markets, vietnamesisch essen in Chinatown, flanieren über Gourmetmärkte, Museumsbesuch im Natural History Museum, teures Bier im Pub trinken und Weihnachtsstimmung aufschnappen in Harrods und in Covent Garden. Hab ich was vergessen? Achja: Eines meiner persönlichen Highlights (neben dem Typ, der mich auf der Straße mal ganz unverbindlich gefragt hat, ob ich in seiner Band singen will) war die Stippvisite im Hyde Park. Eigentlich hab ich mich dagegen gewehrt, meine Zeit in London in einem Park zu verbringen, aber zurzeit ist dort der "German Christmas Market". Gigantisch groß und sehr darauf bedacht, authentisch bay.. äh deutsch zu sein (An der Stelle bitte mal über das Foto unten nachdenken ;-) ). Es gab sogar "Pommes Schranke" (sic!). Das Ganze war aber mehr eine Mischung aus Weihnachtsmarkt, Rummel, Kerwe, Altstadt- und Johannisfest. Und vier Pfund erschien mir für einen Becher Glühwein dann doch zu viel..
Nun ja, London ist eben teuer. Aber London ist eben auch toll. Und auch nochmal sehr viel größer und ereignisreicher als Cardiff. Und deshalb dann doch zum Abschluss das hier, Verzeihung dafür.